Das Altarbild

Altarbild "Himmelfahrt der Maria"

Das Altarbild Himmelfahrt der Maria wurde um 1600 vom katholischen Philipp Johann von Kaltental und seiner Ehefrau als Altarbild für den Seitenaltar rechts vom Chorbogen gestiftet. In der Mitte die Himmelfahrt Marias, links Fides (Glaube) mit Kruzifix und Buch, recht Spes (Hoffnung) mit einem Falken. Darunter links ein Engelskopf und rechts Maria mit Taube, die Verkündigung darstellend. Unten das leere Grab von Maria umgeben von den Jüngern.  

Die Inschrift

RES LOQUlTUR, SRIPTURA DOCET, DOCET HOC PIA PATRUM/

TURBA, TUIS OCULIS HAECQUOD IMAGO REFERT;/

NEMPE, QUOD ALMA PARENS DOMINI SUPER ASTRA MEARIT./
EIUS UT ET CORPUS MOXPENETRARIT EO// 

QUI NEGAT HOC, MATREM HANC NULLO DIGNA- TUR HONORE/

ET SOLO ARBITRIO CREDITAGITQUE SUO./

SED PlUS HANC MATREM COLAT, ET NATUM EIUS ADORET/

ILLE ETENIM SUA DAT DONA. SED ISTA PETIT.

Die Deutsche Übersetzung

Die Sache (selbst) spricht, die Schrift lehrt, es lehrt die fromme Schar der Väter, was deinen Augen dies Bild dartut, nämlich dass die segenspendende Gebärerin des Herrn über die Sterne aufgefahren ist, dergestalt dass auch ihr Leib bald (darauf) dorthin gelangte. Wer dies verneint, erweist der Gottesmutter nicht die schuldige Ehre, er glaubt und handelt nach eigener Willkür. Der Fromme aber verehre die Gottesmutter und bete den an, den sie gebar. Denn jener gewährt seine Gaben, diese jedoch erbittet sie.

Die Stifter

Zweifellos wollten Philipp Johann von Kaltental und seine Frau mit der Stiftung dieses Bildes um 1600 ihren katholischen Glauben demonstrativ zur Schau stellen gegen die Evangelischen, die in Aldingen weit in der Überzahl waren. Man ging dabei sogar über die damals in der katholischen Kirche gültige Auffassung hinaus, denn: "Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts galt bei der liturgischen Feier des Festes Mariae Himmelfahrt die Auffassung von ihrer leiblichen Auffahrt in den Himmel noch als »aliquid frivolum et apocryphum«, war also sehr umstritten. Der vorliegende Beleg ist ein bemerkenswertes Zeugnis für den Wandel dieser Anschauung, aber auch für eine Polemik wenn auch in lateinischer Sprache -, die nur durch die Situation einer simultan genutzten Kirche verständlich wird."

Die Veränderungen

Oben war ursprünglich wohl eine Marienkrönung. Die Tafel wurde irgendwann im 19. Jahrhundert entfernt. Inzwischen ist die Lücke geschlossen. Ein Bild des auferstandenen Christus füllt sie aus, dem die Inschrift beigegeben ist: "In keinem andern ist das Heil" (Apostelgeschichte 4, 12). Gewiss eine evangelische Ergänzung, die jedoch das Bild selbst als Zeugnis der Vergangenheit respektiert.

(Aus "Die Margaretenkirche in Aldingen - Baugeschichte und Ausstattung" von Dr. Jochen Tolk. Heft 15 der "Heimatkundliche Schriftenreihe der Gemeinde Remseck am Neckar")