Besuch der Altar-Werkstatt

Am 26. Oktober machten sich Pfarrer Jens Keil, Matthias Stümpfle und Ulf Scharlau vom Kirchengemeinderat sowie der „seiner“ Margaretenkirche verbundene gebürtige Aldinger Alfred Walker aus Schwieberdingen auf die Fahrt nach Bayern. Unser Ziel war die Zaglmühle, eine kleine Sägemühle außerhalb des Dorfes Wartenberg im Erdinger Moos. Hierhin hatte uns der Münchner Künstler Werner Mally eingeladen, ein auch international anerkannter Künstler und Designer für kirchliches Interieur. Mally ist der Preisträger des vom Aldinger Kirchengemeinderat zu Beginn des Jahres ausgeschriebenen Wettbewerbs zur Neuschöpfung des (mobilen) Altars im Chorraum unserer Kirche sowie des Ambo (Lesepult), des Altarkreuzes und des Osterkerzenständers. Unser alter Steinaltar wird eine neue Aufgabe als Andachtsaltar in der bisherigen Sakristei erhalten.

Werner Mallys Entwurf sieht einen Holzaltar vor, dessen Rohform aus einer gewaltigen, etwa 250 Jahre alten Eiche herausgeschnitten wird. Sie stammt aus Ostbayern und wurde 2011 gefällt. Der Eichbaum ist nicht mehr am Leben, sein Holz wird aber noch für lange Zeit arbeiten und sich durch Verfärbung oder Rissbildung verändern, was ein wesentliches Kriterium des Konzepts ist. Auch kann der Holzblock für den Altar vieles über die Geschichte dieser Eiche erzählen, deren Lebensspanne immerhin die Hälfte unserer 500 Jahre alten Kirche erreichte. So sahen wir, dass der Eichenstamm aus zwei Bäumen zu einem zusammengewachsen war. Der Sägemeister erläuterte uns den Verlauf der Jahresringe und die Ursachen der an einigen Stellen sichtbaren Verfärbungen des Holzes (möglicherweise wurden sie 1945 von Granatsplittern hervorgerufen) oder die Rissbildung im Holz. Wir erhalten so einen Altar, dessen Material Vergänglichkeit, Gegenwart und zugleich Weiterleben widerspiegelt. Hierdurch soll die Geschichtlichkeit des kirchlichen Raumes zum Ausdruck kommen. Aus dem Altar wird als Symbol für das Wort Gottes als dem „Kern der Sache“ in Form einer Ellipse das Stehpult ausgeschnitten. Beide liturgischen Kernstücke der Kirche – Altar und Pult zur Lesung aus der Bibel - werden also aus demselben Holzkern herausgearbeitet. Der so im Altarblock entstandene Hohlraum soll hinten mit den im Kirchenjahr wechselnden  Paramenten (Teppichen) transparent behangen werden.

Als ein technisches Problem bei der Herstellung von Altar und Ambo beschäftigte uns und auch den Künstler die Frage, ob und wie wohl der Block des Ambo aus dem gewaltigen Stamm herausgeholt werden könnte, ohne dass das noch feuchte und unter Spannungen stehende Holz reißt. Wir vier Besucher waren davon ausgegangen, dass wir Zeugen dieses riskanten Eingriffs sein würden. Zu unserer Überraschung hatten Werner Mally und sein Sägemeister, ebenfalls ein Künstler seines Metiers, diese Operation bereits einige Tage vor unserer Ankunft erfolgreich vorgenommen. Wir sahen also bereits den fertigen Rohling von Altar und Ambo. Allein in ihrer noch groben Form beeindruckten uns beide Teile durch ihre Wucht, ihre archaische Kraft, durch ihre Färbung und Maserung. Werner Mally hat mittlerweile mit der Feinarbeit begonnen, wie er uns nach dem Besuch mitteilte: „Der Altar ist jetzt quadratisch und auch schon konisch ausgehöhlt. Das verleiht ihm Tiefe und Konzentrizität. Als nächstes wird  jetzt noch die konkave Innen-Wölbung der "Passage" [also der durchgehenden Höhlung] bearbeitet und dann beginnen wir mit dem Ambo.“ Über die Weihnachtsfeiertage bis Mitte Januar werden Altar und Ambo in einer Trockenkammer aufgestellt. Danach bleiben noch eine Woche für die Montage der Rollen, für Oberflächennachbearbeitung, Transport und Aufbau. Werner Mally: „Aber das kriegen wir hin.“

Altar und Ambo werden zur Wiedereröffnung der Kirche am 20. Januar 2013 an ihrem Platz stehen. Wir Mitglieder des Kirchengemeinderats sind uns bewusst, dass diese ungewöhnlichen Kunstwerke zu lebhaften Diskussionen führen werden. Aber wir sind sicher, dass wir mit dem Konzept, unsere 500 Jahre alte Kirche mit einem modernen Altar zu verbinden, eine mutige Entscheidung getroffen haben. Die mit Kunstgegenständen aus verschiedenen Epochen reiche Margaretenkirche wird nun um einen Altar aus unserer Zeit bereichert haben, dessen Ästhetik und theologische Botschaft die Aldinger Gemeinde akzeptieren wird.

 

Wir vier Aldinger waren begeistert und auch bewegt, als wir am Nachmittag wieder in Richtung Remseck starteten. Unsere gehobene Stimmung konnte auch ein Auffahrunfall auf der Autobahn bei Günzburg nicht auf Dauer trüben, in den wir unverschuldet und mit massivem Schaden am Auto verwickelt wurden – gottlob ohne dass wir oder die übrigen beteiligten Personen zu Schaden kamen. Vielleicht hat uns dabei ein guter Schutzengel des neuen Altars vor Schaden bewahrt?