Die Glasmalereien

Als um das Jahr 1800 die Chorempore eingebaut wurde, hat man aus sämt­lichen Fenstern das Maßwerk herausgebrochen, um auf diese Weise mehr Licht in die dunkle Kirche zu bringen.

 

Sozusagen als Ersatz begann man mit dem kleinen Rundfenster am früheren Seitenaltar mit einer künstlerischen Gestaltung. Dort ist Luthers Familienwappen, die Lutherrose, dargestellt.  Wann das war, ließ sich nicht feststellen.

Die drei Chorfenster

Die drei farbigen Chorfenster wurden von einer Gruppe von Gemeindegliedern gestiftet, von Annemarie Fleck-Hammer, der Frau des Restaurators W. Hammer (Renovierung 1962/63), entworfen, von der Glasmalerei Deiniger in Ulm ausgeführt und 1979 eingeweiht.

 

Die Grundgedanken ihres Entwurfs hat die Künstlerin folgendermaßen zusammengefasst:

I. Fenster links

Die Schöpfungsordnung durchbrach bereits Luzifer, der höchste Engel, durch Überheblichkeit (Hybris), die Ursünde. Uns wird heute bewusst, wie der Mensch durch die Erkenntnis der Naturgesetze egoistisch, selbstherrlich und zerstörend seinen Lebensraum verdirbt. Der verlorene Sohn der Bibel sucht seine Freiheit durch Lösung aller Bindungen, sein Ich (Egoismus) als Maß und Lebensziel. Am Grunde der Verzweiflung rettet ihn sein Heimweh und die Erkenntnis, sein eigentliches Menschsein aus der Mitte des Daseins verfehlt zu haben. Dorthin rettet er sich, an das Herz des Vaters (das Streben nach Religion). Unfassbar der Abgrund der Liebe, der dort für ihn offen ist. Ohne Verdienst wird er in seine ursprüngliche Würde, in die Fülle des Daseins aufgenommen.

 

Dargestellt wird dies im Fenster durch...

 

... das Auge Gottes, aus seinem Atem kommt die Schöpfung und durch den Engelskampf zwischen Michael (links) und Luzifer (rechts). In der Mitte rechts stürzt Luzifer ab, seine Krone sinkt ins Dunkel der Materie, Zerstörung und Tod folgen ihm, das irdische Inferno. Rechts darunter ist der verlorene Sohn (blaue Gestalt), der bei den Schweinen seiner Würde nachtrauert und links daneben fahren Vater und Sohn aufeinander zu und finden Ruhe. Unio mystika. Der Stern von Bethlehem (links neben dem Kopf des Vaters) zeigt den Weisen aus dem Morgenland den Kind gewordenen Gottessohn (unten). Dieses Wunder verehrend schenken sie ihm ihre Reichtümer und irdische Würde - die Krone.

II. Mittelfenster

Der Schöpfungsblitz, Stern von Bethlehem, antwortet auf die Sehnsucht der Menschen. Gott selbst gibt sich ihm, seiner geschaffenen Natur, zu eigen und zeigt ihm den Erlösungsweg, der alle menschliche Qual mit einbezieht bis zum grauenhaftesten Tod. Als Versprechen und Hoffnung der leidenden Men­schen fährt er verwandelt aus dem Grabe und sendet, zurückgekehrt zum Vater, den Tröster, seinen göttlichen Geist, der die Menschen verwandelt zu offener Lie­b, Verstehen, furchtlosem Reden und großer Freude über die neue Einheit untereinander in Gott.

 

Die Darstellungen im Fenster

 

Zu sehen ist die Geschichte im roten Kreis im 3.u.4.Feld von oben durch die verglühende, dunkle Erde, Christus am Kreuz, Maria und Johannes. Darunter, teils nicht sichtbar ist die liebesarme Familie, der hochkarätige Wissenschaftler, der Geizige. Ganz unten links sieht man Adam und Eva in Selbsterkenntnis und daneben holt Christus Adam aus der Vorhölle. Im dritten Feld von oben, im Halbkreis links und rechts sind Bläser. Der große blaue Kreis zeigt in der Mitte den Schmerzensmann als Meditationsmittelpunkt. Oben im Kreis herum schreit der Hirsch nach frischem Wasser und links sieht man das Universum, darunter sind Lilien und unten zerreißt der Vorhang zum Allerheiligsten. Rechts sind Vogel und die Teilung an Hungrige mit Brot und Wein zu sehen und oben ist Christus in der Mandorla. Dahinter und darunter im roten Kreis sind in Liebe vereinte Menschen und das Licht und Gott sind mitten unter ihnen.

III. Fenster rechts

Christus leidet mit uns, bis die Welt verglüht. Durch materielles Gewicht sin­ken ab die Lieblosen, die Ruhmsüchtigen und die Materie genießenden und raf­fen­den Menschen. Am Grunde der Vorhölle erkennen sie ihr falsches Leben. Auch dor­hin steigt der Gottessohn, um auch den schon Gestorbenen he­raus­zu­zie­hen. Bei sei­nem Selbstopfer am Kreuz zerreißt der Vorhang im Tem­pel. Offen ist wieder der Weg ins Göttliche. Er predigt: "Sorget nicht um irdische Bedürfnisse (seht die Lilien, die Vögel). Wenn ihr der göttlichen Liebe nachlebt, brüderlich mit den anderen teilt, wird euch dies alles gegeben werden. Bist du bereit, diesen Weg auch durch die ir­dische Hölle mit mir zugehen, fragt er als Schmer­zensmann. Ich halte das Uni­ver­sum in meiner Hand und gebe mich euch zu eigen (Brot und Wein). Es steht dir frei. In Liebe vereint sind die Seinen bei seiner Wiederkunft an der Stätte, wo Gott alles in allem ist." Eine Fülle von Einzelmotiven verbindet sich zu einem Gesamtbild der Erlö­sungs­­geschichte.

 

Die Einzelmotive...

 

zeigen Christus unten links, der dornengekrönt und verspottet wird. Darüber ist Golgatha und unten rechts sind die Symbole der Auferstehung: Samenkorn (Joh.12,24), Schmetterling und Kristall zu sehen. Darüber ist der auferstandene Christus, die Augenform ist Symbol des Schöpfers, der Funke des Heiligen Geistes ist zwischen ihnen. Ganz oben ist der Heilige Geist in der Glorie und links darunter befindet sich das Pfingstwunder.

(Aus "Die Margaretenkirche in Aldingen - Baugeschichte und Ausstattung“ von Dr. Jochen Tolk. Heft 15 der „Heimatkundliche Schriftenreihe der Gemeinde Remseck am Neckar")