Die Grabdenkmäler der Ortsherrschaft

Keine Kirche im Landkreis Ludwigsburg ist so reich mit Grabdenkmälern ausgestattet wie die Aldinger Margaretenkirche. Von vornherein war der Chorraum ja als Grablege der kaltentalischen Ortsherrschaft bestimmt, und er wurde 200 Jahre lang zu diesem Zweck auch benützt. Im Lauf der Zeit reihte sich Grab an Grab, und schließlich war der ganze Fußboden im Chorraum mit Grabplatten belegt. Man musste dann sogar im Kirchenschiff, vorne unter der Kanzel, Gräber ausheben. Denn die Ortsherren wollten in ihrer Kirche begraben sein. Mehrfach ist außer der Grabplatte auch noch ein lebensgroßes, plastisches Standbild des Verstorbenen vorhanden. 36 Grabplatten und Standbilder waren es ursprünglich, von denen noch 24 erhalten sind.

Grabdenkmal des Jerg (Georg) von Kaltental (Nr. 1)

 

Hergestellt nach 1555 nach dem Vorbild von Nr. 4, jedoch eine schwächere Arbeit. Georg wurde nach dem Tod seines Vaters (ebenfalls Georg) 1536 mit einem Anteil an der Ortsherrschaft Aldingen belehnt. Er starb laut In­schrift am 3. März 1554. Näheres ist von ihm nicht bekannt.

Inschrift: An(n) d(omi)ni (1554) vff den 3 tag des monats marcii (starb) der Edell und vest Jerg von kaltental, dem got der Almechtig verlich mit sampt allen gelowigen ajin frowlichen vfferstehung Ame(n): Im Jahr 1554 am 3.Tag des Monats März starb der edle und ehrenhafte Jörg von Kaltental, dem Gott der Allmächtige verleihe mitsamt allen Gläubigen eine fröhliche Auferstehung. Amen

Grabdenkmal des Reinhart von Kaltental und seiner Ehe­frau Anna Maria geb. Nothaft (Nr. 2 und 3)

Grabdenkmal des Reinhart von Kaltental und seiner Ehe­frau Anna Maria geb. Nothaft

Vermutlich ist das Doppeldenkmal von der Ehefrau vor ihrem Tod bestellt worden und etwa 1607 ent­stan­den. Lebensgroß steht die Gestalt des am 6. Mai 1580 verstorbenen Reinhart da, in Prunkharnisch mit Halskrause gekleidet, einen Löwen an seiner Seite. Reste einer Goldfassung sind noch erkennbar. Die Figur seiner am 12. November 1607 verstorbenen Gattin ist ihm zugewandt, die Hän­de sind zum Gebet zusammengelegt. Auch sie ist in Festkleidung dargestellt. Eine hervorragende Steinmetzarbeit, wie es sie in dieser Art der plastischen, lebensnahen Darstellung in der näheren Umgebung nicht wieder gibt. Der Bildhauer wird in der Umgebung des Jakob Müller in Heilbronn vermutet.
Reinhart von Kaltental wird im Sterberegister anlässlich seines Todes "verus Pater patriae" (wahrer Vater des Vaterlandes) genannt. Er stimm­te zusammen mit seinem Bruder Heinrich der Einführung der Refor­ma­ti­on in Aldingen zu. Seit 1555 hatte er ein Drittel des Dorfes zu Lehen. Die Aldinger Ortsverfassung von 1574, gewissermaßen Grundgesetz und bürgerliches Gesetzbuch der Herrschaft Aldingen, ist  mit sein Werk. Diese Ortsverfassung, die das ganze Leben der Dorf­ge­mein­schaft regelte, blieb bis zum Aussterben der Kaltentaler 1746 in Kraft. Seine Frau Anna Maria, geborene Nothaft, wurde 1536 in Hochberg geboren. Die beiden schlossen 1559 die Ehe.

Grabdenkmal des Wolf Philipp von Hirnheim (Nr. 4)

Nach dem Schema der spätgotischen Grabplatten gearbeitet. Im Inschriftenbuch des Landkreises wird vermutet, dass dieses Grabdenkmal (wie das seiner Frau, Nr. 7) von dem Bildhauer Joseph Schmid von Urach stammt, "der durch seine Aufträge für die fürstliche Grablege in Tübingen ab 1550 zum führenden Meister des Herzogtums aufstieg". Dafür spricht auch, dass Wolf Philipp von Hirnheim seit 1534 als Marschall eines der höchsten Ämter im Herzogtum innehatte und darum auch über die Beziehungen und Mittel verfügte, um noch zu seinen Lebzeiten den besten verfügbaren Bildhauer mit seinem Grabdenkmal zu beauftragen. Er war verheiratet  mit Agatha von Kaltental und starb kinderlos am "29. Tag Wintermonats 1546". Entstanden wohl vor 1546.

Grabdenkmal des Philipp Wolf von Kaltental (Nr. 5)

Ursprünglich war das Denkmal direkt dem verschwundenen Hochaltar zugewandt. Der Verstorbene ist im Relief dargestellt, in Rüstung, mit gefalteten Händen vor dem Kruzifix betend. Man beachte die Fülle der Wappen (16). Entstehungszeit um 1584. Philipp wurde als Nachfolger seines Vaters (ebenfalls Philipp, gestorben 1546) im Jahr 1551 mit einem Drittel des Dorfes Aldingen belehnt. Er widersetzte sich mit aller Macht der Einführung der Reformation 1568 und setzte für sich und seine Nachkommen durch, dass er einen Messpriester halten und die Kirche weiter zur Messfeier benützen durfte. Seine Feindschaft gegen den evangelischen Pfarrer Wolfgang Regius wurde schon beschrieben. Ohne Philipp wäre es in der Ortsverfassung gewiss nicht zur Festlegung der freien Bekenntniswahl in Aldingen gekommen, sondern das Dorf wäre gleich ganz evangelisch geworden. Doch der Widerstand konnte die Entwicklung nicht aufhalten. Schon zu Lebzeiten Philipps waren die Katholiken eine Minderheit, und 50 Jahre nach seinem Tod am 29. Juli 1584 war Aldingen ganz evangelisch - durch freie Entscheidung der Bürger.

Grabplatte des Reinhart von Kaltental (Nr. 6)

Ursprünglich war es ein liegender Stein im Chorboden über dem Grab des Verstorbenen, dessen Standbild unter Nr. 2 beschrieben wurde. Dort auch Näheres zur Person. Entstanden um 1580.

Grabdenkmal der Agatha von Hirnheim geborene von Kaltental (Nr. 7)

Pendant zu Nr. 4, dem Grabmal des Ehemanns. Fast vollplastische Darstellung der Verstorbenen in Brokatkleid und pelzbesetztem Mantel, mit Kopftuch, in den Händen ein Rosenkranz, zu ihren Füßen ein Hündchen. Zur Herkunft und Datierung vgl. Nr. 4. Agatha war eine Schwester von Heinrich und Reinhart von Kaltental, Tochter des Georg (Nr. 2). Sie war in erster Ehe verheiratet mit Eberhard Sturmfeder, der während des Bauernkrieges von aufständischen Bauern erschlagen wurde. Zu ihrem zweiten Ehemann siehe unter Nr. 4. Nach dessen Tod 1546 heiratete sie in dritter Ehe den Hans Dietrich Nothaft von Hohenberg (Hochberg). Todesdatum 3. 12. 1553. Erstaunlich ist das Nebeneinander von Rosenkranz und Wahlspruch der württembergischen Reformation: VDMIE = Verbum domini manet in eternum (Gottes Wort bleibt in Ewigkeit). Die Buchstaben befinden sich auf dem Halsband des Hündchens. Dieses Nebeneinander erklärt sich aus der Tatsache, dass die Kaltentaler damals noch päpstlich waren, während der Ehemann Wolf von Hirnheim Marschall des evangelischen Herzogs Ulrich vor Württemberg war und darum gewiss auch evangelisch.

Grabplatte einer Tochter des Jerg von Kaltental (Nr. 8)

(in der Nische)

Todesdatum 15. August 1544. Es könnte sich um eine früh verstorbene Tochter des Georg von Kaltental und der Dora von Neuhausen mit Namen Barbara handeln.

Fragment einer Grabplatte (Nr. 9 )

Diese Grabplatte ist vermutlich von einer Tochter des Philipp Wolf von Kaltental, die laut Inschrift am 5. November 1572 starb. Die Größe der Platte deutet auf ein Kindergrab hin,  früher im Chorboden.

Grabdenkmal Georgs des Älteren von Kaltental (Nr. 10)

Grabdenkmal Georgs des Älteren von Kaltental

Die Figur des Ritters in Harnisch mit offenem Visier, die Linke am Schwertgriff, in der Rechten den Streithammer. Er steht auf einem Löwen, wobei festzustellen ist, dass der Bildhauer wohl noch keinen Löwen in Natur gesehen hat. Die Inschrift gibt als Todesdatum Allerheiligen 31.Oktober 1537 an.

Grabdenkmal des Philipp von Kaltental (Nr. 11)

Als Todesdatum wird in der Inschrift der 3. Januar 1546 angegeben. Philipp ist der Vater des Philipp Wolf vor Kaltental, dessen Grabdenkmal unter Nr. 5 beschrieben ist. Eine Grabplatte für Philipp wird unter Nr. 12 beschrieben.

Grabplatte des Philipp von Kaltental (Nr. 12)

Der Stein ist stark abgetreten, lag also ursprünglich an einer vielbegangenen Stelle im Chor.

Grabplatte der Margret von Kaltental. (Nr. 13)

Die Sandsteinplatte zeigt das Relief der Verstorbenen in Mädchentracht mit Mantel und lang fallendem Haar, den Rosenkranz in den gefalteten Händen. Als Todesdatum gibt die Inschrift an am "nesten Tag nach unser lieb frowen geburt" (9. September 1512).

Grabplatte des Jörg (Georg) Wolf von Kaltental. (Nr. 14)

(An der Rückwand im Kirchenschiff erster Stein von links.)

Hier begegnet uns ein neuer Typ von Grabplatte im Vergleich zu den bisher besprochenen aus dem 16. Jahrhundert: Verschiedene Medaillons mit Wappen und Umschrift. Interessant ist, dass die Grabinschrift ein doppeltes Datum für den Sterbetag angibt, nämlich den 14 bzw. 24. Marty (März) 1619. Grund ist der damalige Streit zwischen Evangelischen und Katholiken anlässlich der Abschaffung des Julianischen und Einführung des Gregorianischen Kalenders durch Papst Gregor. Die evangelische Seite wollte sich dem Diktat des Papstes nicht unterwerfen, gab schließlich aber doch nach. Auf der Grabplatte sind der Vollständigkeit halber die Daten beider Kalender angegeben. Die Grabplatte weist 13 Dübellöcher auf, die wohl im Zusammenhang mit dem Einbau der Chorempore um 1800 entstanden.
Jörg Wolf war der Sohn des Reinhart von Kaltental. Nach dem Tod seines Vaters erhielt er dessen Drittel an Aldingen zu Lehen. Als sein Onkel Heinrich 1608 kinderlos starb, fiel ihm auch dessen Drittel zu. Von 1580 bis 1619 wird er im Taufregister 43mal als Taufpate von Bürgerkindern genannt. Jörg Wolf von Kaltental war ein entschiedener Anhänger und Verfechter der evangelischen Sache in den heftigen konfessionellen Auseinandersetzungen jener Zeit gegen seinen Vetter Philipp Johann und dessen Messpriester. Verheiratet war er seit 1590 mit Eleonora von Laiming, ei­ner Tochter des württembergischen Landhofmeisters Erasmus von Laiming und seiner Frau Agnes von Plieningen, deren Vater ebenfalls Landhofmeister gewesen war.

Grabplatte des Friedrich Georg Wolf von Kaltental (Nr. 15)

(An der Rückwand des Kirchenschiffs zweiter Stein links.)

Er wurde am 30. August 1654 geboren. Er stand als Forstmeister auf dem Reichenberg in württembergischen Diensten. Dort starb er auch nach langem, schwerem Leiden am 17. März 1698. Seine Leiche wurde nach Aldingen überführt und im Chor "solenn" (d. h. nachts bei Fackelschein) bestattet. Er war verheiratet mit Maria Magdalena von Kaltental.

Grabplatte der Magdalena von Kaltental. (Nr. 16)

(An der Rückwand im Kirchenschiff dritter Stein von links.)

Maria Magdalena geb. von Weyler wurde am 28. April 1659 geboren. Sie war die Ehefrau des Friedrich Georg Wolf von Kaltental. Von 1681 bis 1701 wird sie 22mal als Taufpatin erwähnt. Pfarrer Müller schreibt in seiner Ortschronik über ihr Ende: "Sie starb am 13. September 1703 in Heilbronn, wo sie sich vorübergehend bei einem Schwager aufhielt, nach 15wöchiger, überaus schmerzhafter, aber mit standhafter Geduld ertragener Krankheit. Ihre Leiche wurde hierher überführt und unter dem Geleite der ganzen Bürgerschaft im Chor der Kirche neben den Gebeinen ihres Gatten am 16. September 1703 beigesetzt. Ihre feste Zuversicht war Jesus, ihr Leitspruch: "Und wenn mich der Herr gleich töten wollte, so will ich doch auf ihn hoffen!" Die Ehe ist kinderlos geblieben.

Grabplatte der Magdalena Salome von Kaltental. (Nr. 17)

(An der Rückwand des Kirchenschiffs vierter Stein von links.)

Sie wurde am 21. Juli 1596 geboren und scheint unverheiratet geblieben zu sein. Von 1613 bis 1681 wird sie 39mal als Taufpatin erwähnt. Am 7. August 1684 starb sie im Alter von 88 Jahren. Ihr Leichentext deutet darauf hin, dass sie ihr Leben lang kränklich gewesen sein könnte: "Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, so wäre ich vergangen in meinem Elende" (Psalm 119,92).

(Aus "Die Margaretenkirche in Aldingen - Baugeschichte und Ausstattung“ von Dr. Jochen Tolk. Heft 15 der „Heimatkundliche Schriftenreihe der Gemeinde Remseck am Neckar")