Insel der Ruhe - Abendbesinnung in der Mitte der Woche

Schnell noch ein Telefonat, im Vorbeigehen kurze Absprachen mit der Sekretärin, den Sohn vom Schlagzeug abgeholt und in die Margaretenkirche gehechtet. Eben noch rechtzeitig – die Glocken hören gerade auf zu läuten.
Noch außer Atem nehme ich die Abendstimmung im wunderschönen Chor der Margaretenkirche wahr. Menschen lächeln mir zu. Wir sitzen im Kreis um eine sorgfältig gestaltete Mitte. Kerzen brennen.

 

Freundlich werden wir begrüßt und stimmen das erste Lied an. Lieder aus der Taizé-Kommunität in der Schweiz sind schlicht und eingängig, ohne Strophen und oft kaum zwei Zeilen lang. Schnell prägt sich der Text ein – noch schneller die Melodie. 6 bis 8 Mal singt man das Lied und lässt es so zum Mantra werden. Ich freue mich, wenn ich den ersten Ton des Tenors finde. Öfters allerdings verweile ich im Sopran. Hin und wieder höre ich nur zu und verliere mich in dem Gesang, der in der ausgezeichneten Akustik so wundervoll klingt.

 

Worte werden nur wenige gemacht. Ein Gebet. Ein Impuls. Ein Bibeltext. Erklärungen braucht es keine. Die Texte sprechen für sich. Ich darf mir selbst Gedanken machen und muss nicht versuchen, einem anderen zu folgen. Nichts soll von außen an mir zerren – wie sonst und wie so oft im Leben. Ich darf in Kontakt treten mit mir und meinem Gott. Dankbar und bereit gleite ich in die Stille, die im Zentrum des Abendgebets steht.

 

Mal denke ich über die Texte nach. Mal sind es andere Gedanken, die sich meiner bemächtigen. Meistens aber genieße ich nur die Stille, die viel zu schnell vorbeigeht.

 

Erneut ein Lied. Die Fürbitte führt mich zurück in das Leben. Das Vaterunser vereint meine Stimme mit denen der anderen. Ein letztes Lied und ich verlasse mit dem Segen die Kirche, allerdings deutlich langsamer als 30 Minuten zuvor.

 

Schnell hat mich das Leben wieder. Der Ernst des Lebens und der Kirchengemeinderat warten. Wenige Minuten lang aber war ich befreit von allen Lasten, Pflichten und Anforderungen.