Auftakt zu einem neuen Kokids-Jahr

Der Auftakt zu einem neuen Kokids-Jahr fand am 1. Oktober im Gemeindehaus statt. 28 Drittklässler werden nun - begleitet von 9 Tischmütter - im kommenden Jahr in drei Einheiten die Aldinger Kirchengemeinde kennenlernen und alles über Taufe und Abendmahl erfahren. Dazwischen gibt es natürlich jede Menge zu erleben. Wir freuen uns, dass das Angebot zu einen guten Zuspruch erhält und sind dankbar, dass sich immer wieder genügend Tischmütter finden.

 

 

 

Mein Kind - ein Kokid

„Nein, ich will da nicht hin!“
„Doch, du bist aber schon angemeldet.“
„Ich will aber trotzdem nicht…“

Das war der Anfangsdialog am Samstagmorgen um kurz  nach acht zwischen meiner Tochter und mir.

Und dabei blieb es nicht. Es folgten noch etliche Argumente auf beiden Seiten. Während die meiner Tochter sich auf „Ich will nicht. Hab keine Lust. Hab es mir aber anders überlegt. Ist mir egal.“ beschränkten, veränderten sich meine Argumente von anfangs logisch erklärend „Du bist schon angemeldet.“ bis überredend „Deine ganzen Freunde sind dabei.“ bis hin zu konsequent „Wir gehen jetzt dahin – so kurzfristig können wir nicht absagen. Wir schauen uns es heute auf jeden Fall mal an“.

Mittlerweile war es neun Uhr.

Immerhin machte sie sich daraufhin - wenn auch widerwillig -  fertig. Auch ich schaltete den Turbo ein und war binnen kürzester Zeit ausgehfertig.
Um 9.15 Uhr konnten wir endlich das Haus verlassen und marschierten in strammem Tempo zum Gemeindehaus.

Pünktlich mit dem Läuten der Kirchenglocken schafften wir es! Und pünktlich mit dem Läuten entdeckte meine Tochter ihre Freunde und setzte sich sofort dazu. Auch ich fand noch ein Plätzchen und kurz darauf ging es auch schon los:
Nach einer kurzen Begrüßung durch die Pfarrer aus Aldingen und Neckargröningen Jens Keil und Achim Dürr wurden zwei allseits bei den Kindern beliebte Lieder gesungen und dann ging es bereits los:
Als erstes stellten sich die Tischmütter vor, die die Kokids während des nächsten Jahres begleiten werden. Sie schnappten sich ihre jeweilig zugeteilten Kinder und verabschiedeten sich in die verschiedenen Räume im Gemeindehaus. Damit fing also die erste Kokids-Stunde schon an.  

Wir Mütter und Väter bekamen in der Zwischenzeit kurz die Themenblöcke der einzelnen Tischgruppennachmittage vorgestellt. Zur weiteren Überbrückung der ersten Stunde gab es auch noch die Möglichkeit, verschiedene Bilder nach ihrem positiven bzw. negativen Wirken in christlicher Hinsicht zu beurteilen. Zudem standen auch Kaffee, Tee und Hefezopf zur Stärkung bereit. (Vielleicht hatten ja einige Mütter oder Väter morgens schon ähnliche Diskussionen erlebt und waren dringend darauf angewiesen…)

Und dann war die erste Kokids-Stunde auch schon vorbei und die frisch gebackenen Kokids-Gruppen stellten ihre gefertigten Werke vor: Jede Gruppe hatte eine Kerze mit Wachsmotiven verziert und eine eigene Tischdecke bemalt. Außerdem hat sich jede Gruppe einen tollen Namen einfallen lassen: Von XX  über YY bis hin zu „Mustangs“ war alles dabei!

Am Schluss gab es noch ein Lied und dann war der morgens noch  „ach so schreckliche“ Vormittag auch schon vorbei.

Und was war das Fazit meiner Tochter? „Wieso ist es denn schon zu Ende? Müssen wir wirklich schon nach Hause? Kann das jetzt nicht jeden Tag stattfinden? Das hat voll Spaß gemacht!“

Und ich kann auch schon verraten: die Begeisterung hält noch jetzt, am Ende des ersten Blockes, unvermindert an und die Pause bis zur nächsten Einheit im Februar ist ja „soooooo lang“.

Tina Goerlich

Konfirmandenunterricht in der 3. Klasse

Kinder fragen nach Gott und nach Jesus. Sie wollen wissen, wo Gott wohnt und wo der verstorbene Opa jetzt ist. „Hat Gott auch die Dinosaurier geschaffen und warum sind sie dann ausgestorben?“ „Kommen Meerschweinchen in den Himmel?“ „Haben im Himmel denn überhaupt alle Platz?“

 

Besonders Kinder im Alter zwischen 7 und 9 Jahren nähern sich dem Glauben und der Kirche ohne Vorurteile. Sie sind neugierig und bringen schon allerhand an Vorkenntnis mit. Eltern sind da manchmal ratlos und tun sich mit Erklärungen schwer. Oft sind es Fragen, auf die auch wir Erwachsene gerne eine Antwort hätten. So mancher scheut sich, seinem Kind unfertige Antworten zu geben. Der gute Wille ist da, das in der Taufe gegebene Versprechen einer christlichen Erziehung einzuhalten. Schnell gerät man jedoch an die Grenzen eigener Sprachfähigkeit.

 

Warum in der 3. Klasse?

 

Seit etwa 10 Jahren ist in den Ordnungen der Württembergischen Landeskirche die Möglichkeit vorgesehen, dass Kirchengemeinden zusätzlich zum regulären Konfirmandenunterricht im 13. Lebensjahr ein ergänzendes Angebot in der 3. Klasse machen können.

 

Leitend waren die Gedanken, dass sich Jugendliche bis zum 13. Lebensjahr ein Bild über die Kirche und den Glauben bereits gemacht haben, oft ohne überhaupt Kontakt mit der eigenen Kirchengemeinde gehabt zu haben. Der Konfirmandenunterricht kommt da zu spät, zumal die Kinder von zuhause immer weniger an religiöser Erziehung mit auf den Lebensweg bekommen. Begriffe müssen dann erst mühsam geklärt und Abstraktes konkretisiert werden.

 

Dazu kommt, dass durch das G8 an den Gymnasien der früher vom Kultusministerium garantierte schulfreie Mittwoch in der siebten Klasse aller weiterführenden Schulen abgeschafft wurde. Begann früher der Konfirmandenunterricht schon im Mai der 7. Klasse, ist die erste Konfirmandenunterrichtstunde heute erst in der zweiten Schulwoche nach den Sommerferien im September zu Beginn des 8. Schuljahres.

 

Um den Verlust an Stunden zu kompensieren, bietet sich wie beim katholischen Modell die 3. Klasse an, in der sich die schulische Belastung für die Kinder noch in Grenzen hält.

 

Wie und wann geht es los?

 

Der Erstkontakt erfolgte an den Elternabenden der zweiten Klasse der Neckarschule. Die Eltern von 27 Kindern haben bereits ihr Interesse bekundet, sodass wir hoffen können, das Projekt dieses Jahr zu starten. Endgültig anmelden können die Eltern ihre Kinder nach einem Elternabend im Juni.

 

Los geht es dann im September mit einer Auftaktveranstaltung am Samstagvormittag. In drei Monatsblöcken werden dann die „Ko-Kids“ im Herbst und im Frühjahr einmal pro Woche spielerisch und handlungsorientiert in die Themen „Kirchengemeinde“, „Taufe“ und „Abendmahl“ eingeführt. Dazwischen sind sie eingeladen, die Angebote der Kirchengemeinde wahrzunehmen. Den Abschluss bildet ein Festgottesdienst im April, in dem die Kinder gesalbt und gesegnet werden.

 

Das Konzept: Gelebter Glaube im Wohnzimmer

 

Das Besondere an dem Konzept ist, dass der „Unterricht“ in Vierer- bis Sechsergruppen in privaten Wohnzimmern durch Tischmütter und –väter erfolgen soll. An zwei Abenden pro Einheit werden die Eltern dazu eigens theologisch und pädagogisch geschult sowie mit den nötigen Arbeitsblättern und Material ausgestattet. Ziel ist es zum einen, das Gespräch über den Glauben aus kirchlichen Räumen in die Privathäuser zu tragen. Zum anderen sind die Tischeltern mit den eigenen offenen Fragen, Zweifeln und der vermeintlichen theologischen Unkenntnis für Kinder weitaus überzeugendere Vorbilder als ein Pfarrer es sein kann. „Der muss das ja glauben und hat das ja auch studiert.“

 

Die Ziele

 

Erstes und oberes Ziel ist, dass die Kinder Glaube und Kirche zuallererst mit Lebensfreude, Lebenslust und Lebenskraft verbinden. Sie sollen sich als gottgewollt und gottgeliebt erfahren und gesandt in eine Welt, die sie in seinem Sinne zu gestalten haben. Die Kinder sollen die Kirchengemeinde und ihre Angebote kennen lernen und sich eingeladen fühlen. Und auch wenn wir Christinnen und Christen nicht alle Fragen beantworten können und oft selbst zaghaft sind und voller Zweifel, so lassen wir Gott nicht – und er nicht uns. Darin wollen wir unseren Kindern Vorbild sein.

 

Wir freuen uns auf ein turbulentes Jahr.

 

Jens Keil