Wenn Helden reisen

Ein Interview mit Anja Schreiner und Nicole Walker


Beim dritten Mal spricht man von Tradition, und so kann man sagen und schreiben, dass die Aldinger Kinderfreizeit zu einer Tradition geworden ist. Wieder waren es fast 60 Kinder, die unter dem Motto „Helden wie wir“ zusammen mit 33 Betreuern in der Woche nach Ostern 5 Tage und 4 Nächte in der Haslachmühle bei Horgenzell verbrachten. Ebenfalls zum dritten Mal mit dabei und „Gründungsmitglied“ der Idee „Kinderfreizeit“ sind Anja Schreiner und Nicole Walker. Grund genug, sie unseren Leserinnen und Lesern vorzustellen:

Ganz im Ernst: Wieviel Stunden Arbeit ohne die 5 Tage Freizeit selbst waren es dieses Mal?


Nicole: Etliche. Wir beginnen unsere Planung ja schon im Februar. Als erstes wird ein Thema ausgewählt. Dann planen wir mit unseren Jugendmitarbeitern ein Programm aus, in dem wir mit Spielen und Aktionen das Thema vertiefen. Wichtig ist dabei auch, den Glauben nie aus den Augen zu verlieren und anhand diverser biblischer Geschichten das Thema umzusetzen. Hierfür bist du natürlich verantwortlich.
Aber auch für die allgemeine Organisation brauchen wir viel Zeit. Mit knapp 100 Menschen für fünf Tage zu verreisen, benötigt allerlei Logistik. Wir sind in der Haslachmühle weitestgehend auf uns gestellt und müssen alles von daheim mitnehmen: Vom Toilettenpapier über Malpinsel bis hin zum Pflaster – nichts darf vergessen werden. Busunternehmen werden angefragt, Menüpläne ausgearbeitet, Materiallisten und Einkaufslisten werden geschrieben und Zimmerpläne ausgetüftelt. Zum Schluss kommt das große Einkaufen. Da sind wir auch mehrmals unterwegs.

 

Anja: Aber im Ernst: Zählt man den die einzelnen Stunden für eine Arbeit die Spaß macht? Ich kann es nicht genau sagen wie viele Stunden es waren, aber an die 100 kommt hin.

 

Warum tut Ihr Euch das eigentlich an? Ihr habt beide zwei Kinder. Du, Anja, bist berufstätig und die Kinderfreizeit ist ja auch nicht das einzige ehrenamtliche Engagement, das ihr fahrt. Jugendtreff, du, Nicole, leitest die Jungschar 9+ und du, Anja, bist Kirchengemeinderätin. Das ist allein schon mehr als die meisten Leute auf die Reihe bekommen. Warum dann noch die Kinderfreizeit?

Anja: Ich tu mir da nichts an. Ich bin mit vollem Herzen dabei. Mein soziales Engagement kann ich so umsetzen. Wenn man dann sieht, wie schnell sich die Kinderfreizeit dann füllt, freudige Kinder zu einem kommen die es nicht mehr erwarten können bis es los geht, dann weiß ich, ich habe alles richtig gemacht.

 

Nicole: Die meisten Kinder und Jugendlichen erleben wir übers Jahr verteilt ja immer wieder: entweder bei den Kinderbibeltagen, bei den Vorbereitungen zum Krippenspiel an Weihnachten, bei unserem Jugendtreff oder allwöchentlich in der Jungschar. Die Kinderfreizeit aber ist für uns der Jahreshöhepunkt unserer Arbeit, denn hier erleben wir die Kinder und auch unsere Jugendlichen rund um die Uhr und können so noch näher an Ihnen dran sein.

 

Noch sind die Erinnerungen frisch – was waren für euch die schönsten Momente auf dieser Kinderfreizeit?

 

Nicole: Oh, es gab soo viele… . Der erste war, als die Kinder fröhlich, mit leuchtenden Augen, in Horgenzell aus dem Reisebus gestiegen sind und an uns vorbei mit Ihren Zimmerbetreuern in ihre Zimmer geströmt sind. Ich kannte alle mit Namen und dachte: „Wie schön, all meine Kinder sind wieder da.“ Die Neugierde und die Freude auf das, was kommt, in den Gesichtern der Kinder zu sehen war ein tolles Gefühl.

 

Anja: Wir hatten dieses Jahr tolle Kinder. Sie haben sich auf alles eingelassen, keiner hat gemotzt keiner hat gestreikt alle waren mit Freude dabei. Wir haben die Kinder als sehr harmonisch empfunden.

 

Gab es auch Momente, die ihr am liebsten vergessen würdet?

Nicole: Nee  Anja: Nö

 

Nach Goethe sollen wir unseren Kindern Wurzeln und Flügeln mitgeben? Wie haben die Kinder auf der Freizeit Wurzel geschlagen und was hat Ihnen Flügel verliehen?

 

Nicole: Ich denke die Wurzeln haben sie fest in ihre Betreuer geschlagen. Die Sicherheit und die Wärme, die unsere Jugendbetreuer den Kindern geben, sind einmalig. Na und Flügel hatten Sie schon vorher, denn sonst hätten sie nicht den weiten Weg auf sich genommen, mit teilweise erst 8 Jahren, 5 Tagen lang mit uns nach Horgenzell zu „fliegen“.

 

Anja: Aber andersherum hat es den Kindern Flügel gegeben, vier Tage von Zuhause wegzufliegen und alleine Wurzeln zu schlagen - auch den „alten Hasen“, die zum dritten Mal mit dabei waren.

Im Vergleich zum Schullandheim und anderen Freizeiten, liegen wir ja etwas höher im Preis. Das hat damit zu tun, dass wir so viele Jugendmitarbeiter auf die Freizeit mitnehmen. Was sagt ihr den Eltern, die euch fragen, warum das so gut ist?

Nicole: Unser Betreuungsschlüssel ist einzigartig. Jedes Kind findet jederzeit einen Betreuer zum Spielen, Schmusen oder Toben. Wenn man dann über den Platz geht, sieht man Kinder, die mit Betreuern Volleyball spielen, ein Zelt aufbauen, im Bach einen Staudamm bauen, Kicken gehen, slacklinen oder einfach nur in der Sonne liegen. Wo gibt es denn das noch, dass Jugendliche mit Kindern spielen? Unsere Kinder sind doch sonst nur noch mit Ihren Eltern, Freunden oder bezahlten Fachkräften zusammen. An den weiterführenden Schulen treffen die Kinder auf dem Schulhof dann wieder auf „Ihre Jugendmitarbeiter“, - auch das gibt Wurzeln und Flügel.

 

Anja: Ehrlich gesagt, mich haben noch keine Eltern angesprochen. Das liegt vermutlich daran, dass die Eltern sehen, dass wir mehr als 100% geben, auch im Umgang mit unseren Jugendmitarbeitern. Die Betreuung ihrer Kinder ist Ihnen wichtig und es gibt Ihnen allen ein Sicherheitsgefühl.

 

Kommen wir zu den Jugendmitarbeitern. Du, Anja, bist ja als Kirchengemeinderätin auch regional Jugendvertreterin und hast den Überblick. In der Aprilsitzung des Kirchengemeinderats hast Du berichtet, dass Aldingen in Sachen Jugendarbeit weit und breit vorne liegt. Woran liegt das Eurer Meinung nach, dass so viele Jugendliche mit auf die Freizeit wollen?

 

Anja: Es liegt daran das wir den Mut haben neues zu probieren. Wir haben immer gute Laune und haben immer einen Riesenspaß. Das geht nicht nur uns so sondern auch den Jugendlichen und das färbt ab.

 

Nicole: Ich denke wir haben großes Glück, so viele engagierte Jugendliche in Aldingen zu haben. Die Freizeit an sich ist ja auch für sie nur die Spitze des Eisberges. Die Arbeit, um das alles erst zu ermöglichen, ist nicht wenig, unsere Besprechungen und Planungen für die Freizeit gehen ja manchmal bis in den späten Abend hinein. Und trotzdem, bei all dem Stress, den die Jugendlichen mit der Schule haben, freut es uns umso mehr, dass sie so leidenschaftlich am Gelingen der Freizeit mitwirken. Sie geben echt alles, manchmal auch wortwörtlich bis zum Umfallen. Aber wenn sie sich einmal auf das Abenteurer Kinderfreizeit eingelassen haben, dann bleiben sie auch meistens dabei und haben Feuer gefangen.

 

Ihr habt ja da gegenüber den Jugendlichen eine ganz besondere Rolle? Könnt ihr die beschreiben?

 

Anja: Ich sehe mich in keiner besonderen Rolle. Ich bin wie ich bin: offen, ehrlich, witzig, verrückt - vermutlich von jedem etwas. Das macht die Mischung. Die Gespräche tun einfach nur gut. Beidseitig.
Man gibt ein Stück Lebenserfahrung mit und bekommt wieder etwas geschenkt, eine Umarmung ein Küsschen und so viel mehr.

 

Nicole: Wir nehmen jedes Problem ernst und nehmen uns für sie viel Zeit. Sie wissen, dass sie bei uns immer anklopfen können. Wir sind auch manchmal streng und kritisieren aber anders herum vertragen wir auch ziemlich viel und können auch gut mal über uns selber lachen.
Ja, wir lachen sogar ziemlich viel!

 

Anja: Allerdings!

 

Zum Schluss noch die allerwichtigste Frage: Seid ihr nächste Jahr wieder dabei?


Nicole: Auf alle Fälle….

Anja: Was für eine Frage?

 

Gottseidank. Vielen Dank für Eure Zeit und noch mehr für Euer Engagement.