Es kommen Menschen

Die Bilder der letzten Tage und Wochen schockieren und irritieren uns. Bilder aus Ungarn, Italien und den griechischen Inseln. Das Bild des dreijährigen, syrischen Jungen Aylan Kurdi am Strand von Bodrum, der den Fluchtversuch mit seinem Leben bezahlte. Oder die Bilder aus Deutschland von überfüllten Massenquartieren, in denen teils bedenkliche hygienische Zustände herrsch(t)en.

Und dann die Berichte über Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, über Angriffe auf Flüchtlinge durch Rechte, Verunglimpfungen und Beleidigungen mit menschenunwürdigen Bezeichnungen.

Das Asylrecht wird in Deutschland nicht nur, wie in vielen anderen Staaten, auf Grund der völkerrechtlichen Verpflichtung aus der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 gewährt, sondern hat als Grundrecht nach Artikel 16a des Grundgesetzes Verfassungsrang.

Von Januar bis Juli 2015 haben 195.723 Menschen in Deutschland einen Asyl-Erstantrag gestellt. Ungefähr 35 % oder 68.000 Flüchtlinge stammen aus Syrien, Afghanistan, Irak und Eritrea, wobei Flüchtlinge aus Syrien die größte Gruppe stellen.  

Nach Prognosen der Bundesregierung werden in diesem Jahr bis zu 750.000 Flüchtlinge erwartet.

 

Das Asylverfahren

Was erwartet Flüchtlinge in Deutschland, denen die Flucht bis zu uns gelungen ist? Sie werden nach ihrer behördlichen Erfassung gemäß dem sogenannten Königsberger Schlüssel einem Bundesland zugeteilt. Baden-Württemberg werden somit ca. 12,9 % der Asylantragsteller zugewiesen.
Erste Station für diese Menschen in Baden-Württemberg, von Januar bis Juli 2015 waren ca. 29.000 Personen, sind die Landeserstaufnahmeeinrichtungen (LEA), u.a. in Karlsruhe, Ellwangen und Meßstetten, in welchen die Registrierung der Flüchtlinge erfolgt. Hier werden die Flüchtlinge auch zu den Gründen für ihre Flucht und zu ihren persönlichen Verhältnissen befragt. Nach durchschnittlich 6 Wochen Aufenthaltsdauer in der LEA erfolgt die Zuteilung an die Landkreise nach einem Bevölkerungsschlüssel. Dem Landkreis Ludwigsburg wurden so allein im August 553 neue Flüchtlinge zugewiesen, die in Gemeinschaftsunterkünften oder dezentralen Wohnungen untergebracht werden müssen. In Remseck stehen hierfür die Gemeinschaftsunterkunft in Neckargröningen und demnächst die Unterkunft in Aldingen zur Verfügung.
Zuständig für die Asylverfahren ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Die Dauer der Bearbeitung eines Antrags nach Eingang beim BAMF beträgt zwischen etwa 6 Monaten und einem Jahr, wobei Asylbewerber aus Syrien, Eritrea und Christen, Mandäer und Jesiden aus dem Irak ein beschleunigtes Asylverfahren durchlaufen.

Nach Abschluss des Verfahrens werden die Flüchtlinge zur Anschlussunterbringung auf die kreisangehörigen Gemeinden verteilt.
Finanzielle Leistungen für die Flüchtlinge

Während der Unterbringung in einer Aufnahmeeinrichtung beträgt der Bargeldbedarf nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) für den Haushaltsvorstand 143,- € (Ehepaar 272,-€) pro Monat, außerhalb einer Aufnahmeeinrichtung für den Haushaltsvorstand 359,- € (Ehepaar 517,-€). Mit dem höheren Bargeldbedarf außerhalb einer Aufnahmeeinrichtung sind auch die Kosten für Kleidung, Gesundheitspflege und Gebrauchs- und Verbrauchsgüter gedeckt.


Hier in Remseck

Bereits vor dem Eintreffen der ersten Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft Neckargröningen haben sich Ehrenamtliche zusammengeschlossen um eine Willkommenskultur für Remseck zu entwickeln. Es hat sich ein Arbeitskreis Asyl gegründet, der die Flüchtlinge in Dingen des täglichen Lebens berät und unterstützt. Regelmäßig wird in der Unterkunft ein Kennenlerntreffen unter dem Motto „Kaffee und Tee“ als Möglichkeit der Begegnung für interessierte Remsecker und Flüchtlinge angeboten.

Wie groß muss die Not sein, dass einzelne Menschen und ganze Familien aus ihrer Heimat flüchten und dabei sogar den Tod in Kauf nehmen? Dass sie ihrer Heimat den Rücken kehren, weil sie für sich und ihre Kinder in einem fremden Land eine sicherere Zukunft erhoffen.
Unabhängig von einer Anerkennung oder Ablehnung des Asylantrags sind wir als Christen und als Gesellschaft in der Pflicht, den Menschen, die bei uns Schutz suchen, einen menschenwürdigen und vor Verfolgung sicheren Platz zu anzubieten.

 

Peter Großmann