Immer wieder beklagen sich Kirchensteuerzahler, dass sie nicht wissen, was mit ihrem Geld passiert. Deshalb soll in diesem Artikel einmal versucht werden, zumindest den Weg aufzuzeigen.
 
Nehmen wir an, Sie zahlen 500 Euro Kirchensteuer im Jahr. Dafür, dass der Staat die Kirchensteuer einzieht, erhält er eine Verwaltungskostenentschädigung über 3 Prozent (= 15 Euro). Zum Vergleich: Müsste die Kirche die Steuer selbst einziehen, läge der Verwaltungsaufwand bei etwa 15 Prozent des Kirchensteueraufkommens.

Von den verbleibenden 485 Euro gehen rund 50 Prozent an die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Etwas weniger als die Hälfte dieses Geldes nehmen u.a. die Gehälter und Versorgungsleistung der Pfarrer (ca. 2.300 Pfarrer) ein, die ja generell nicht von der Kirchengemeinde, sondern von der Landeskirche gezahlt werden. Da 70 Prozent der Kosten für den Religionsunterricht in der Schule nicht vom Staat sondern von der Landeskirche bestritten werden, nimmt dieser Anteil weitere 20 Prozent des landeskirchlichen Anteils ein.

Dazu kommt der Verwaltungsapparat des Oberkirchenrats, der nach evangelischem Selbstverständnis nach innen den Kirchengemeinden zuarbeitet (Gesetzgebung und juristische Begleitung, Personal- und Finanzverwaltung etc.) sowie die Landeskirche national und international nach außen vertritt. Weitere Ausgabenposten sind die Ausbildungsstätten für Pfarrer, Religionslehrer und Diakone, überregionale Dienste wie z.B. kirchlicher Medienverleih, Presse- und Rundfunkarbeit, Beiträge für Mission, für ärmere Kirchen in Deutschland und der Welt sowie für Ökumene. Diakonische Einrichtungen werden vor allem personell mit kirchlich bezahlten Mitarbeitern und Pfarrern unterstützt.

Die anderen 50 Prozent, also etwa 242,5 Euro, gehen an die Kirchenbezirke der Landeskirche, die wiederum durch die Bezirkssynode über die Verteilung an die Kirchengemeinden entscheidet. Der Kirchenbezirk Ludwigburg behält mit Zustimmung der Kirchengemeinde etwa 24 Prozent der Zuteilung (58,2 Euro) für wichtige übergemeindliche Aufgaben ein. Dazu gehören vor allem das Bezirksjugendwerk (5 Jugendreferenten), die Diakonische Bezirksstelle und Psychologische Beratungsstelle (u.a. unentgeltliche Lebensberatung und –hilfe in Notfällen für jedermann), Bezirkskantor, Erwachsenenbildung, Klinikseelsorge in Ludwigsburg, Diakone, die in Gemeinden arbeiten, Verwaltung, Personalkosten etc. Die Kirchengemeinde Aldingen sowie deren Gemeindemitglieder profitieren direkt von den Dienstleistungen auf Bezirksebene.
 
In der Kirchengemeinde kommen 194 Euro von Ihren Kirchensteuern an. Auch in unserer Kirchengemeinde nehmen die Personalkosten den größten Teil ein. 110,58 Euro (ca. 57 Prozent der Zuweisung) Ihrer Kirchensteuer bezahlen wir für die Sekretärin und Kirchenpflegerin, die Hausmeisterinnen sowie die Messnerin und die Kirchenmusiker (Organistin). Sie sind es, die vor allem dem Pfarrer den Rücken freihalten, damit er nicht in Managementaufgaben erstickt und Zeit für die Menschen hat.

Ein weiterer Posten ist die Gebäudeunterhaltung und Bewirtschaftung (Renovierungen, Reparaturen, Putzmaterial, Strom, Heizung, Wasser etc.), das sind 27 Prozent, also 52,38 Euro. Die Verwaltungskosten (Fernmelde- und Reisekosten, Papier, Bürogeräte wie Telefon, Computer und Faxgerät, etc.) nehmen 6 Prozent ein, also 11,64 Euro. Mit 10 Prozent der 194 Euro (19,4 Euro) finanzieren wir den Sachkostenaufwand der Gemeindearbeit (Diakonie, Jugend- und Konfirmandenarbeit, Erwachsenen- und Seniorenarbeit, Veranstaltungen, Gemeindebrief etc.). Die Rücklagenbildung für anstehende Großaufgaben (Innenrenovierung der Kirche) erfolgt vor allem durch Opfer und Spenden der Gemeindemitglieder.

Zusammenfassung: Von Ihrer Kirchensteuer kommen 38,8 Prozent unmittelbar in Aldingen an. Dazu kommen beim landeskirchlichen Anteil die Personalkosten für den Pfarrer sowie die Ausgaben für den Religionsunterricht an den Aldinger Schulen, die die Kinder der Kirchengemeinde besuchen. Direkt profitiert die Gemeinde auch von den Diensten der Landeskirche und des Bezirks, die dem Pfarrer und der Kirchenpflege in juristischer, wirtschaftlicher und verwaltungstechnischer Hinsicht zuarbeiten. Mittelbar für uns von Bedeutung sind aber auch die anderen Dienste, denn schließlich profitiert auch die Aldinger Kirchengemeinde von einer guten Ausbildung des Pfarrers oder des Diakons.