Ein Diskussionsbeitrag der Kirchengemeinden zur kommunalen Diskussion über die Ganztagesschulen

Wir sehen die gesellschaftliche Entwicklung hin zur Ganztagesschule. Wir erkennen die familiäre Entwicklung, die eine Ganztagesbetreuung der Kinder fordert. Wir sehen auch, dass für viele Kinder eine Ganztagesschule eine Hilfe sein kann, in einem geschützten Raum unabhängig ihres sozialen Hintergrunds angemessen gefördert zu werden. Wir erkennen an, dass die Ganztagesschule ein Instrument sein kann, Kinder mit Migrationshintergrund in die Gesellschaft zu integrieren.

Trotz mancher Bedenken können und wollen wir uns dieser Entwicklung nicht verschließen.

Zugleich leisten die Kirchengemeinden einen wesentlichen Beitrag zu einer lebendigen Jugendarbeit in der Kommune. In vielen Ortsteilen gibt es Angebote für Kinder und Jugendliche an allen Tagen der Woche (Jungschar, Jongliergruppe, Aldinger und Neckarremser  Ministrantentreffen, KJG Remseck, Pfadfinder, Mädchentreff und Mädchenclub, Kindergottesdienst, Freizeiten, Krippenspiel, Kommunions- und Konfirmandenunterricht in der 3. Klasse u.v.m.). Wo dies nicht der Fall ist, hat das keine grundsätzlichen Gründe, sondern ist nur eine Momentaufnahme, die sich jederzeit ändern kann.

Es ist uns ein Anliegen, diese kirchliche Jugendarbeit auch in einer Remsecker Bildungslandschaft mit Ganztagesschulen zu erhalten.

Die besonderen Merkmale der kirchlichen Jugendarbeit sind:

1. Der Ort: Kirchliche Jugendarbeit findet in kirchlichen Räumen nach eigenen Regeln und in besonderen Formen statt. Nur wenn Kinder sich früh und regelmäßig in kirchlichen Räumen aufhalten, fühlen sie sich als Erwachsene dort beheimatet.

  • Eine Entwicklung, die eine Jugendarbeit in kirchlichen Räumen einschränkt oder gefährdet, ist nicht im Interesse der Kirchengemeinden. Dies ist allerdings bei einer flächendeckenden Einführung von Ganztagesschulen zu befürchten, da v.a. junge Kinder in der 1. oder 2. Klasse nach 7 Stunden Schule kaum noch eine Jungschar besuchen werden. Das gilt umso mehr, wenn dann noch Hausaufgaben anfallen sollen.

==> Die Hausaufgaben sollten verlässlich im Rahmen der Ganztagesschule gemacht werden.

  • > Ein Engagement der Kirchengemeinden im Rahmen der Ganztagesschule zielt darauf, dass das kirchliche Angebot in kirchlichen Räumen geschieht. Es ist darauf zu achten, dass für Form und Inhalt die Kirchengemeinden allein verantwortlich sind. Schule ist nicht Kirche. Eine Verschulung der freien kirchlichen Angebote ist nicht wünschenswert.

==> Kirchliches Engagement im Rahmen der Ganztagesschule müsste in kirchlichen Räumen stattfinden. Das Angebot wäre von den Kirchengemeinden allein zu gestalten und zu verantworten.

2. Die Menschen: „Erwachsenenfreie Räume“ werden für Kinder immer seltener. Professionalisierte Räume werden für Kinder immer mehr zur Regel (Schule, Jugendmusikschule etc.). Schicht- und schulübergreifende freie Räume sind jedoch für Kinder wichtig, um Selbstorganisation und Eigenverantwortlichkeit zu lernen. Jugendliche unter 18 Jahren sind als Mitarbeiter für die kirchliche Jugendarbeit unverzichtbar. Sie sind realistisches Vorbild und „große Geschwister“.

 

  • Es ist erforderlich, dass bei kirchlichem Engagement im Rahmen der Ganztagesschule Jugendliche unter 18 Jahren eine verantwortliche Rolle spielen. Dies ist aufgrund deren eigener schulischer Verpflichtung durch den häufigen Nachmittagsunterricht insbesondere am Gymnasium zwischen 14 und 18 Uhr zunehmend schwierig. Wir bitten darum, darauf zu achten, dass das Engagement der Schülerinnen und Schüler im Zeugnis vermerkt wird, wie dies ja auch andernorts bereits praktiziert wird.

==> Das verantwortliche Engagement Jugendlicher im Rahmen der Ganztagesschule sollte von den weiterführenden Schulen unterstützt werden.

  • Jugendliche können aufgrund ihres Lebensstils sich kaum in dem Maße verlässlich verpflichten, wie es im Rahmen einer Ganztagesschule gefordert ist. Aber auch wenn die Kirchengemeinden sich hauptamtlich engagieren – was die finanzielle Unterstützung der Stadt notwendig macht – sollten Jugendliche flankierend das Engagement mitgestalten.

==> Wir sind bereit, mit der Stadt darüber nachzudenken, wie kirchliches Engagement durch einen hauptamtlichen Mitarbeiter abgedeckt und finanziert werden kann.

  • Kirchliche Jugendmitarbeiter durchlaufen eine kirchliche Ausbildung, in der spezifische Inhalte angeboten werden (z.B. Trainee-Ausbildung). Die Jugendbegleiterausbildung ist dafür keine Alternative. Beide Ausbildungen werden nur wenige Jugendliche absolvieren wollen. Deshalb ist es für uns unerlässlich, dass die kirchlichen Ausbildungen für Jugendmitarbeiterinnen und -mitarbeiter als Jugendbegleiterausbildung akzeptiert werden.

==> Die kirchliche Jugendmitarbeiterausbildung ist gleichwertig zur Jugendbegleiterausbildung anzuerkennen.


3. Der Zeitpunkt: Klassische Jugendarbeit in den Kirchen findet regelmäßig auch unter der Woche statt. Die Kirche ist so für Kinder keine „Sonntagskirche“, sondern regelmäßiger Teil des Alltags. Einer Entwicklung, die kirchliche Jugendarbeit auf das Wochenende oder die Ferien begrenzt, ist entgegenzuwirken.

4. Unser Ziel ist eine christliche Jugendarbeit mit Menschen, die in kirchlichen Räumen mit ihrem Glauben für das Evangelium einstehen.

 

Der Kirchengemeinderat der Evangelische Kirchengemeinde Aldingen

Der Kirchengemeinderat der Evangelische Kirchengemeinde Neckargröningen

Der Kirchengemeinderat der Evangelische Kirchengemeinde Neckarrems
Der Kirchengemeinderat der Evangelischen Christusgemeinde Remseck
Irmtraut Aebert, Evangelische Pfarrerin in Hochdorf
Felix Dolderer, Katholischer Pfarrer der Seelsorgeeinheit Remseck mit LB-Poppenweiler
Achim Dürr, Evangelischer Pfarrer in Neckargröningen und Aldingen
Elke Goldmann, Evangelische Pfarrerin in Hochberg
Klaus-Dieter Gress, Evangelischer Pfarrer in Neckarrems
Ludger Hoffkamp, Pastoralreferent der Seelsorgeeinheit Remseck mit LB-Poppenweiler
Jens Keil, Evangelischer Pfarrer in Aldingen
Kornelia Vonier- Hoffkamp, Pastoralreferent der Seelsorgeeinheit Remseck mit LB-Poppenweiler
Jürgen Zipf, Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche Waiblingen-Hegnach