Auf dem zweiten Blick...

Man muss zwei Mal hinschauen, bevor man begreift. Fast scheint es, als wäre es die Hand des Jungen, die sich auf die Wunde legt. Erst beim zweiten Hinschauen differenzieren sich die Ebenen. Aber beide wollen es auch ganz genau wissen – der Jünger Thomas wie auch der jugendliche Betrachter.

 

Ein Osterbild – auf dem ersten Blick – weil die Geschichte nach Ostern stattfindet. Der Auferstandene erscheint den Jüngerinnen und Jüngern – und der Jünger Thomas kann es nicht fassen. Er muss die Hand auf die Wunde legen.

 

Ein Passionsbild – auf dem zweiten Blick – denn Ostern hat für Thomas noch nicht stattgefunden. Sein Beiname ist zu Recht „der Zweifler“ – und nicht wenige unter uns werden sich mit ihm identifizieren können, ist doch der Auferstehungsglaube die größte Anfechtung für den vermeintlich aufgeklärten Geist. Und wir dürfen schließlich nicht die Hand in die Wunde legen.

 

Also auch hier: Die Ebenen sind schwer auseinander zu halten. Ostern ist bereits geschehen. Wir können glauben – manchmal – und manchmal können wir es auch nicht. Dann liegt Ostern noch vor uns.

 

Auch eine österliche Botschaft: Ostern im Rücken und Ostern als Verheißung.  

 

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“, (Johannes 20,29)

 

Jens Keil