Aufbrüche

Zur Besinnung kommen

 

Wer aufbricht, öffnet sich – und da ein Aufbruch nicht immer aus eigenem Antrieb geschieht, werden die, die aufbrechen, auch manchmal aufgebrochen.

 

Ein neuer Pfarrer in der Kirchengemeinde ist ein Aufbruch. Der „alte“ Pfarrer ist vielen in Erinnerung und dass er gegangen ist, wird bedauert. Nun ist da ein neuer Name am Türschild und eines neues Gesicht auf der Kanzel. Ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter müssen sich auf veränderte Abläufe einstellen. Es dauert eine Weile, bis „der Neue“ sich eingelebt hat. Er hat andere Stärken und Fähigkeiten. Er bringt neue Ideen mit und setzt andere Schwerpunkte.

 

Manche brechen gerne auf, fasziniert von dem Zauber des Anfangs. Manchen fällt der Aufbruch schwer, verunsichert sie doch das Unbekannte.

 

Die Bibel ist eine Sammlung von Aufbruchserzählungen. Abraham und Sarah verlassen ihr Heimatland genauso wie Naomi und Ruth. Unter der Führung des Mose bricht Israel aus Ägypten auf. Das Volk Israel muss in das babylonische Exil. Maria und Josef machen sich auf in die Stadt Bethlehem.

 

Immer sind es Erzählungen des Vertrauens, die davon berichten, dass Gott die Menschen anstößt, sie in Bewegung setzt und mit ihnen aufbricht. Allen Erzählungen gemein ist, dass Gott die Hand über die Menschen hält und diese am Ende finden, was ihnen versprochen ist: Ein gelingendes Leben, ein gelobtes Land oder den Heiland in der Krippe.

 

Fast scheint es, dass man aufbrechen muss, um Gott zu finden. Oder ist es umgekehrt? Gott muss aufbrechen, damit wir für den Erlöser unser Herz öffnen? Gott seinerseits ist ja aufgebrochen und hat den Himmel verlassen, um uns Menschen als Mensch zu begegnen. Er hat sich für uns geöffnet bis zum letzten Atemzug.

 

Ohne Aufbruch kein Glaube, so scheint es. Oder ist es erneut andersherum? Ohne Glaube kein Aufbruch ins Leben – nur Verschlossenheit?

 

Unzählige Male hat Jesus die Menschen angestoßen – aufgebrochen – damit sie Gott in ihre Herzen lassen: Zöllner, Prostituierte und Sünder mit Liebe und Wertschätzung - die Etablierten, die Frommen und die mit einem sicheren Dach über dem Kopf schon auch einmal durch ein anstößiges Gleichnis oder ein deutliches Wort.

 

Manchmal ist etwas Anstößiges nötig, um in Bewegung gesetzt zu werden.

 

Wenn wir als Kirchengemeinde zusammen aufbrechen, befinden wir uns also in guter Gesellschaft und in jedem Fall und auf allen Wegen in der Hand Gottes.

 

Brechen wir also auf – gottbefohlen und voller Gottvertrauen, auf dass wir finden, was uns verheißen ist: Ein gelingendes Leben, das verheißene Reich Gottes und ein Gott, der uns mit offenen Armen entgegenläuft.

 

Ihr Pfarrer Jens Keil