Auferstehung

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Anfang Januar war ich für ein paar Tage in Nürnberg. Ein großer Künstler, der hier gelebt hat, war Albrecht Dürer. So möchte ich Sie einladen, diesen Holzschnitt zu betrachten. Er ist wohl 1510 entstanden; die „Auferstehung Christi“ ist das letzte Bild einer Reihe von Passionsdarstellungen, die wegen des recht ungewöhnlich großen Formates (fast DIN A 3) auch die „Große Passion“ genannt wird.

 

In der unteren Hälfte des Holzschnittes von Albrecht Dürer blicken wir auf ein steinernes, von einer schweren Platte abgedecktes Grabmal. Rechts und links davon liegen bewaffnete Männer in ganz unterschiedlichen Rüstungen. Sie schlafen in zumeist unbequemen Stellungen, achtlos haben sie ihre Waffen auf den Boden gelegt. Das, was in ihrer unmittelbaren Nähe geschieht, nehmen sie nicht wahr. Lediglich am rechten Rand ragt eine Hand eines Soldaten empor und scheint nach oben zu zeigen.

 

Die senkrechte Mittelachse des Bildes wird von dem in ein weites Tuch gehüllten Christus bestimmt. Er wurde gekreuzigt und – wie wir aus den Evangelien wissen - von den ihm Nahestehenden zu Grabe getragen. Nun steht er auf dem Deckel des Sarges. Deutlich erkennt man die Wunden an der rechten Hand und an den Füßen. Ein gekräuseltes Wolkenband, das sich nach oben allmählich auflöst, umrahmt ihn. Seine rechte Hand ist leicht erhoben und deutet die Segensgeste an, das Symbol für den Glauben und die Heilsbotschaft. In der Linken hält er die an einem langen Stab hängende Kreuzfahne, die das Zeichen des Sieges über den Kreuzestod ist. Sein Haupt wird von einer Lichterscheinung – einem Kreuznimbus – gerahmt. Der Blick ist nach oben zum Himmel gerichtet.

 

Von dort fliegt eine Schar geflügelter Engel auf ihn zu, die lediglich aus Kopf und Flügelpaar bestehen. Gemeinsam mit den Wolken darunter und dem bereits erwähnten gekräuselten Wolkenband umschließen sie den Auferstandenen und weisen darauf hin, dass er sich in einer anderen Sphäre befindet. Das Leben über triumphiert den Tod, der Geist über die Materie.

 

Der Vorgang der Auferstehung wird in keinem der Evangelien geschildert. Man erfährt lediglich von Frauen und Aposteln, die sich am zweiten Tag nach der Kreuzigung zum Grab begaben und dieses aufgebrochen und leer vorfanden. Ein Engel verkündete ihnen dort die Auferstehung des Gottessohns und trug ihnen auf, die Botschaft den Jüngern zu überbringen.

 

Ferner erfährt man, dass sich Christus in der Folge mehrmals seinen Anhängern zeigte und ihnen sagte, er sei von den Toten auferstanden, wie er es immer vorhergesagt hatte. Nur bei Matthäus erfahren wir etwas von einer Wache, die die Juden vor dem Grab aufstellen ließen. Er berichtet von einem starken Erdbeben, vom Niederfahren eines weißen Engels, der die Deckplatte von der Gruft weghob, und vom großen Schrecken der Wächter. Doch von alledem sehen wir bei Dürer nichts.

In einem Punkt hält sich Dürer ganz genau an den Bibeltext, wenn er das unberührte Siegel, an den beiden Steinplatten zeigt. Bei Matthäus heißt es: „Pilatus sprach zu ihnen: ,Ihr sollt eine Wache haben; geht und sorgt für Sicherung, wie es euch gut dünkt.‘ Sie aber gingen hin und sicherten das Grab, nachdem sie den Stein versiegelt hatten, mit einer Wache.“

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Karwoche und frohe Ostern

 

Ihr Pfarrer Klaus Ulrich