Eine besondere Weihnachtsgeschichte

Es war die Adventszeit 1947. Der unselige II Weltkrieg war zu Ende. Die Währungsreform war vorbei. Viele Männer waren noch in Kriegsgefangenschaft mehrerer Nationen.

 

In dieser Adventszeit 1947 saß ein kleiner Junge von 12 Jahren im Holzschuppen seines Großvaters, bei dem er mit seiner Mutter und Bruder, zu Hause war. Er bastelte für Weihnachten. Der Großvater kam in den Holzschuppen und sah seinen Enkel, der eifrig beim Basteln war. Er fragte den Jungen:“ Was bastelst Du denn da?“ Der Junge antwortete: „Ein Weihnachtsgeschenk für Vater“. Der Großvater setzte sich hin und nahm den Jungen auf den Schoß. Dann sagte er zu dem Jungen:“ Gestern kam ein Brief von Deinem Vater. In diesem Brief schrieb er, daß er erst im kommenden Frühjahr aus der Kriegsgefangenschaft entlassen würde.“ Der Junge stutzte und fing an zu weinen. Dann sagte er unter Tränen;“ Ich spüre es, daß Vater an Weihnachten zu Hause sein wird. Der Großvater ließ den Jungen vom Schoß, stand auf, und verließ kopfschüttelnd den Holzschuppen.

 

Am Heiligabend begab sich die ganze Familie in die Kirche zur Christmette. Der Junge war sehr traurig und daher auch unaufmerksam während des Gottesdienstes Als die Christmette zu Ende ging und der Pfarrer das letzte Lied: „O du fröhliche o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“ ansagte ging die Kirchentür auf und klappte dann laut zu. Viele Gottesdienstbesucher und auch der kleine Junge sahen zur Kirchentür. Dort stand ein Mann in einem alten abgeschabten Soldatenmantel mit einem ebenso alten Rucksack auf dem Rücken. Der Junge guckte noch einmal nach dem Mann. Dann sprang er aus der Kirchenbank, lief den Mittelgang entlang und rief laut „Papa-Papa“. Alle Kirchenbesucher standen auf und sahen den beiden stumm zu. Diese gingen nach vorn und blieben bei der Bank, wo die Mutter mit dem kleinen Bruder und die Großeltern saßen, stehen.

 

Vater umarmte alle sehr lange und innig. Die ganze Gemeinde stand da in den Bänken ganz gerührt und schaute zu.

 

Der Pfarrer bat dann die ganze Familie zum Altar zu kommen. Dort begrüßte er den Vater sehr herzlich und dieser bat den Pfarrer ein Dankgebet zu sprechen. Als die geschehen war ertönte die Orgel und die ganze Gemeinde sang stehend das Weihnachtslied: O du fröhliche o du selige gnadenbringende Weihnachtszeit. Nach dem Lied und dem Segen sagte der Pfarrer gerührt: „ Jetzt ist wirklich Weihnachten.“ Dann verließ die Gemeinde die Kirche um still nach Hause zu gehen und das Wunder der heiligen Nacht zu feiern

 

Wenn heute zu Weihnachten im Gottesdienst das Lied.“ O  du fröhliche O du selige Weihnachtszeit“ erklingt, steht der damalige Junge als alter Mann still in der Kirchenbank, erinnert sich an das damalige Geschehen und putzt sich ein paar Tränen aus dem Gesicht.

 

Ewald Hedrich