Reisegepäck

Die Urlaubszeit liegt für viele von uns schon wieder einige Zeit zurück. Haben Sie viel Gepäck dabei gehabt, falls Sie verreist waren?

Ich will mal von meiner Tante Liese erzählen. Tante Liese war sehr viel unterwegs. Kleines Gepäck reichte ihr zum Verreisen. Und manchmal wenn wir Tante Liese von der Bahn abholten und sie nur diese abgewetzte braune Reisetasche dabei hatte, dann fragte ich: ‚Ist das denn alles?’ Tante Liese antwortete: ‚Hut, Schirm, Gesangbuch. Das ist das wichtigste.’

 

Wir machten in der Familie unsere Witze darüber und bis heute denke ich, wenn ich wegfahre: ‚Ist alles dabei? Hut, Schirm, Gesangbuch?’ Selbst wenn ich weiß, dass unser Lebensgepäck aus sehr viel mehr besteht, will ich jetzt einmal bei Hut, Schirm und Gesangbuch bleiben.

 

Der Hut! Wenn jemand viele Hüte und für alle Gelegenheiten einen Hut hat, dann sagen die Leute: ‚So jemand ist gut behütet!’

‚Behütet’ aber ist ein Wort mit doppelter Bedeutung. Zum einen kann es heißen, dass man viele Hüte hat. Zum anderen kann es heißen, dass man jemanden hat, der gut auf einen aufpasst.

Wir Christen sagen, dass Gott uns behütet. Der Hut, von dem meine Tante Liese behauptete, dass er zu den wichtigsten Dingen im Reisegepäck gehört, erinnert daran, dass Gott sagt: ‚Wenn du mit mir gehst, dann bist du behütet, denn ich bin der gute Hirte.’

 

Der Schirm! Wenn jemand bei unsicherem Wetter das Haus verlässt, so zum Himmel guckt und nicht weiß: ‚Wird denn nun die Sonne scheinen oder wird es regnen?’ dann ist so jemand gut beraten, den Schirm mitzunehmen.

‚Beschirmt’ ist auch ein Doppelwort. Kann zum einen heißen: Ich habe gegen einen eventuellen Regenschauer einen Schirm dabei, es kann zum anderen aber auch heißen: ‚Ich bin beschützt’.

Wir Christen sagen, dass Gott uns ‚beschirmt’. Der Schirm, von dem meine Tante Liese behauptete, dass er zu den wichtigsten Dingen im Reisegepäck gehört, erinnert daran, dass einer der biblischen Dichter gesagt hat: ‚Wer unter dem Schirm Gottes steht, der hat ein sicheres Leben.’

 

Das Gesangbuch! Im Gesangbuch stehen viele Lieder. Lieder zu singen tut immer gut. Manche singen zwar allein unter der Dusche, aber am schönsten ist das Singen – wenn man nicht gerade Luciano Pavarotti oder Sarah Connor heißt – zusammen mit anderen.

Christen singen Gott ihre Lieder und es ist gut zu wissen, dass man in der Gemeinde Menschen treffen wird, die mit einem zusammen Gott singen.

Das Gesangbuch, von dem meine Tante Liese behauptete, dass es zu den wichtigsten Dingen im Reisegepäck gehört, erinnert daran, dass einer in der Bibel schon sagte: ‚Singet Gott Lieder, denn er tut überall seine Wunder.’

 

Hut, Schirm, Gesangbuch ...Bloß drei Utensilien, die das wesentliche Lebensgepäck eines Christen mit ausmachen. Der Apostel Paulus nennt im 1. Korintherbrief auch drei Dinge als Lebensgepäck: Glaube, Hoffnung, Liebe. Ich kann diese drei zuordnen.

Dem Hut ordne ich den Glauben zu, dass Gott ‚behütend’ das Leben trägt. Dem Schirm ordne ich die Hoffnung zu, dass Gott mich niemals im Regen stehen lassen wird. Dem Gesangbuch ordne ich die Liebe zu, von der Christenmenschen nicht allein lebenslang singen, sondern auch über den Tod hinaus.

 

Ich grüße Sie

 

Ihr Pfarrer

 

Klaus Ulrich