Wider die Werbefritzen

Uns Pfarrern macht man gelegentlich den Vorwurf, wir würden Antworten auf Fragen geben, die niemand stellt. Kann sein. Kann aber auch sein, dass oft nicht die richtigen Fragen gestellt werden... Werbeleute wiederum geben Antworten auf Fragen, von denen sie nichts verstehen.

 

„Weihnachten wird unter dem Baum entschieden“ behaupten Werbekampagnen gebetsmühlenartig alle Jahre wieder. Das ist Unsinn! Unterm Baum werden die Bilanzen der Einzelhändler entschieden aber nicht Weihnachten. Alle Jahre wieder reden uns Werbefachleute ein, Weihnachten sei ein Familienfest, ein Fest der strahlenden Kinderaugen, ein Fest der Geschenke, des guten Essens, der Freude, des Friedens und der Stille.

 

Natürlich ist es schön, wenn wir Weihnachten so feiern können. Natürlich ist es schön, wenn die Kassen nie süßer klingeln, die Kinderaugen strahlen, die rot benasten Rentiere durch einen Traum von white Christmas traben und alle sich lieb haben – aber mit Weihnachten hat das erstmal nichts zu tun!

Weihnachten entscheidet sich eben nicht unterm Baum. Weihnachten ist längst entschieden! Gott hat sich vor gut 2000 Jahren entschieden Mensch zu werden – das, und nur das ist Weihnachten. Als kleines ohnmächtiges Kind kam er zur Welt. Und gerade nicht in einem gemütlichen Wohnzimmer, sondern mitten in einem dreckigen Stall. Inmitten von Sorgen, Zweifeln, Ängsten und politischen Krisen kam Jesus zur Welt. Das war kein Versehen.

 

Er wollte genau dahin, wo die Not der Menschen am größten ist. Dabei hatte er keinen Zauberstab, um alle Probleme wegzuzaubern. Er war auch kein strahlender Held, der Schwierigkeiten mal eben aus der Welt räumt. Jesus wollte einfach nahe bei Menschen sein – bei den armen, hoffnungslosen, traurigen und genauso bei den zufriedenen, satten und reichen. Die Begegnung mit ihm machte die Menschen reich: sie spürten, dass sie wertvoll sind, dass sie Gott wichtig sind. Sie sahen, dass Gott sich nicht zu fein war, in ihr Elend zu kommen um es zu erhellen. Sie spürten, wie die Kraft der Vergebung ihr Leben heilte. Und so ist es bis heute geblieben: Weihnachten entscheidet sich nicht unterm Baum, sondern in der Begegnung mit dem Kind in der Krippe, Jesus, dem lebendigen Gott.

 

In diesem Sinne bereiten wir uns vom 1. Advent an auf diese Begegnung vor. In unseren Gottesdiensten tasten wir uns an das Geheimnis der Menschwerdung Gottes heran. Wir versuchen, das Unfassbare zu verstehen und was unseren Verstand übersteigt, mit dem Herzen zu erfassen. Am Ende loben wir Gott gemeinsam mit den Engeln: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden

 

Ihr Pfr. Achim Dürr