Eine Aldinger „Mutmachgeschichte“

Landeskirchliche Prominenz und zahlreiche Pressevertreter fanden sich am 22. August zur Pressekonferenz in das Aldinger Gemeindehaus ein. Oberkirchenrat Dieter Kaufmann ließ es sich nicht nehmen, persönlich der geladenen Presse von der erfolgreichen Integration des Aldinger Hausmeisters Thomas Fischer in den ersten Arbeitsmarkt zu berichten. Diese erfolgte vor allem mithilfe von spendenfinanzierten Maßnahmen des Diakonischen Werkes. Thomas Fischer ist seit dem 1. April festangestellter Messner und Hausmeister der Kirchengemeinde Aldingen.

„Arbeit gehört zum Menschen wie zum Vogel das Fliegen“ – mit diesem Luther zugeschriebenen Zitat eröffnete Oberkirchenrat Dieter Kaufmann die Pressekonferenz. „Das Fehlen von Arbeit macht nicht nur arm, das Fehlen macht Menschen krank und grenzt aus. Durch Arbeit verwirklichen und entfalten wir Gaben, die uns Gott geschenkt hat, bebauen und bewahren wir die uns anvertraute Schöpfung“ – diese Gedanken waren laut Kaufmann ausschlaggebend, dass die Diakonie im Jahr 2012 nicht länger zusehen wollte, wie Menschen, die durch Brüche, Lebenskrisen oder manchmal einfach nur durch Pech in eine längere Arbeitslosigkeit gerutscht sind, von der Politik abgeschrieben und ohne Fördermittel stehen gelassen werden.

Das Diakonische Werk beschloss, sich hier – auch politisch - einzumischen und  legte ein eigenes Förderprogramm mit  Beschäftigungsgutscheinen, ab 2017 mit so genannten  Teilhabegutscheinen auf. Die Landeskirche stellte viel Geld bereit: 1,5 Millionen Euro in der ersten Phase von 2012 bis 2016, 900.000 Euro in der Phase von 2017 bis 2020.

Die Idee: Kirchengemeinden können Zuschüsse beantragen, um Langzeitarbeitslose in ihrer Gemeinde zu beschäftigen und ihnen so einen Wiedereinstieg ins Arbeitsleben zu ermöglichen. Die Aldinger Kirchenpflegerin, Jutta Schmidt, las von dieser Idee und wusste sofort: Arbeit gibt es in der Kirchengemeinde genug, für die wir durchaus helfende Hände gebrauchen können. Da Thomas Fischer bereits als ehrenamtlicher Mitarbeiter bekannt war, entschloss sich der Kirchengemeinderat schnell, beim Diakonischen Werk einen entsprechenden Beschäftigungsgutschein zu beantragen.

Nur zwei andere Kirchengemeinden waren schneller – Aldingen war die dritte Gemeinde, die rasch und unbürokratisch Mittel erhielt, die es möglich machten, Herrn Thomas Fischer zunächst stundenweise anzustellen.

„Ein paar Fragen, ein zweiseitiges Formular, und Geld und Stelle waren bewilligt“, erzählt Pfarrer Jens Keil – und wirkt immer noch ein wenig erstaunt, wie einfach es war, über vier Jahre insgesamt rund 20.000 Euro Zuschuss zu erhalten.

Als „Mutmachgeschichte“ bezeichnet Kaufmann den Weg von Thomas Fischer. Er hat über die Teilhabegutscheine tatsächlich eine Arbeit gefunden, die ihm Freude macht und von der er inzwischen leben kann. Nach dreijähriger Arbeitslosigkeit ist er seit 2013 als Mesner und Hausmeister in der Evangelischen Kirchengemeinde Remseck-Aldingen tätig. Seine anfangs nur stundenweise Beschäftigung wurde immer mehr erweitert und nun ist er seit April 2018 tatsächlich wieder im ersten Arbeitsmarkt angekommen – fest angestellt, jetzt auch ohne Zuschüsse.

„Durch die Arbeit hat mein Tag endlich wieder Struktur bekommen. Ich bin froh, dass ich mein eigenes Geld verdiene und damit auch am sozialen Leben wieder teilhaben kann“, erzählt Thomas Fischer den anwesenden Journalisten.

Die Strategie der Diakonie ist aufgegangen: - in Aldingen, weil Herr Fischer immer stärker zeigen konnte, dass er seine Aufgaben gut und zuverlässig erledigte, und sich so das Vertrauen des Kirchengemeinderats erarbeitete, - in Deutschland, weil die Förderung von Langzeitarbeitslosen inzwischen auch den Weg in den neuen Koalitionsvertrag der Bundesregierung geschafft hat, wie Herr Kaufmann stolz erwähnt.

Die Aldinger Geschichte klinge wie ein Märchen, meinte eine der Journalistinnen – der Weg zum derzeitigen „happy end“ war allerdings nicht immer nur märchenhaft oder einfach.

Die Kirchengemeinde hielt auch zu Herrn Fischer, als er einen Rückfall in die Alkoholsucht erlitt. Die Therapie und einen persönlichen Neubeginn habe er auch Dank des Rückhalts der Kirchengemeinde geschafft, so Fischer. Pfarrer Jens Keil: „Auch wenn es zwischendurch schwierig war: Wir sind froh, Herrn Fischer als motivierten, zuverlässigen und engagierten Mitarbeiter zu haben."

Besonders bedankte sich Pfarrer Jens Keil auch bei der Stadt Remseck, die es Herrn Fischer, der sehr von Wohnungslosigkeit bedroht war,  ermöglicht hat, eine kleine Wohnung in der Kirchstraße anzumieten.


Christa Majer-Kachler und Jens Keil

Die Aldinger Kirchengemeinde im Evangelischen Gemeindeblatt

Aus dem Evangelischen Gemeidneblatt vom 18. Mai 2014

 

Mit einer halben Million Euro finanziert die württembergische Landeskirche Beschäftigungsgutscheine für Menschen, die schon lange ohne Arbeit sind, in Hartz IV feststecken und fast keinen Anspruch auf berufliche Förderung mehr haben. Bei der Initiative von Landeskirche und Diakonischem Werk Württemberg sind vor allem die Kirchengemeinden als mögliche Arbeitgeber gefragt.

 

Mit Hilfe der Kirche sollen Langzeitarbeitslose wieder Arbeit finden. So wie Thomas Fischer. Er hat Aussicht auf einen Mesner-Job.

 

Drei Schwerpunkte markierten die Konzeption: die direkte Hilfe für die Menschen, die Sensibilisierung der Kirchengemeinden und der Wunsch an die Politik nach mehr öffentlich geförderter Beschäftigung. Als Ergebnis der Beratungen und Verhandlungen, die sich eng an der Frage ausrichteten, wie die Landeskirche potenzielle Anstellungsträger und die betroffenen Menschen wirksam unterstützen können, stellten Kirche und Diakonie im vergangenen Herbst die Initiative „Beschäftigungsgutscheine“ vor. Dieses Modell, für das die Landeskirche fürs Erste eine halbe Million Euro zur Verfügung gestellt hat, soll Langzeitarbeitlosen ermöglichen, ein paar Stunden wöchentlich gegen Bezahlung zu arbeiten und über diese geringfügige Beschäftigung wieder einen Fuß in die (Arbeits-) Türe zu bekommen. Als potenzielle Arbeitgeber könnten dabei vor allem die Kirchengemeinden von Oberschwaben bis in den Heilbronner Raum agieren. Weil langzeitarbeitslose Menschen in Kirchengemeinden nicht auftauchen und die Gemeindemitglieder die Betroffenen in der Regel nicht kennen, dienen diakonische Arbeitshilfeträger als Scharnier und stellen die nötige Kontakte her.

 

Der ganze Artikel findet sich hier als PDF!

 

Artikel in der Stuttgarter Zeitung vom 22. Mai!

Die Aldinger Kirchengemeinde in der Landesschau

Mit einer halben Million Euro finanziert die württembergische Landeskirche Beschäftigungsgutscheine für Menschen, die schon lange ohne Arbeit sind, in Hartz IV feststecken und fast keinen Anspruch auf berufliche Förderung mehr haben. Bei der Initiative von Landeskirche und Diakonischem Werk Württemberg sind vor allem die Kirchengemeinden als mögliche Arbeitgeber gefragt.

 

Dioe Aldinger Kirchengemeinde hat sich darum bemüht und 6,5 Arbeitsstunden finanziert bekommen, für die Thomas Fische nun als Messner und Hausmeister eingesetzt werden kann. Das weckte das Interesse der Medien und die Landesschau war vor Ort.